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Gedichte

Abschied

Er ist zäh, er ist verlässlich,
Für ihn habe ich einen Sarg gekauft.

Ich habe meinen Besitz verschenkt,
meine Freunde und Familie verlassen.

Es hieß, er bräuchte nur wenige Monate.
Wenige Monate sind doch nicht mal ein halbes Jahr!?
Aber er ist langsam, er lässt sich Zeit.

Es kommen Besucher ohne Ende,
Mir wird das langsam peinlich.
Sie verabschieden sich von mir.
Ich schenke ihnen tröstende Worte.

Sie haben Erwartungen: Wann ist es denn soweit?
Ich runzel mit der Stirn: Woher soll ich das denn wissen?
Ich habe ja keine Erfahrung mit dem Sterben.
Mein Arzt hat die - der meinte: Wenige Monate – Bereiten Sie sich vor.
Aber wie bereitet man sich vor? Auf den Tod.

Der Stein ist ausgesucht, der Grabredner bestimmt
Und die Todesanzeige vorgeschrieben.
Es ist alles geregelt, ich habe nichts mehr,
Außer die Kleider an meinem Leib.

Die Zeit aber schreitet voran, der Tod hat Besseres zu tun.
Dann heißt es auf einmal: Hoppla. Fehlalarm. Das kann ja mal passieren.
Dazu ein so dreistes, so kaltes, so widerliches Grinsen im Gesicht.

Nun, was lernt man aus dieser Geschicht‘?
Sei nie so naiv, nur einem Arzt zu glauben.
Das erleichtert das Leben – und das Sterben.



To My Secret Valentine

I can`t write something meaningful,
How desperate I feel today.
I can`t write a single sentence anymore,
`Cause I`ve got nothing more to say.

I`m just staring out of the window –
Oh yes, I would like to fly away.
And I would like to forget you,
And kick you out of my gloomy thoughts.

I`m staring to the screen –
I don`t know what to write.
I would like to forget my dearest wish,
`Cause my heart is splitting into pieces,
that I hold bleeding in my hands.

I can`t write a poem of love – on Valentine`s Day.
I can`t give you my broken heart – on such a rosy day.

But these lines I can send to you, wherever you are.
I send my feelings to you, my secret valentine, whoever you are.



No One Will Come Helping Us

Chaos has broken out in our so-called civilized world.

There is a Bear that is using this chaos efficiently.
There is a Star that is watching and waiting - waiting for what?
There is a Snake that is expecting help from the Star - expecting what?!
And there is Anna, a woman who is digging dugouts - get ready for fighting against the Bear.

In August 2014, within our so-called civilized relations,
There is Anna, a woman who is digging dugouts:
»From the very first we knew that no one will come helping us, even not the Snake.«

I`m one of these millions of starlets that are wondering what`s going on there.
We get a flood of information from all sides - but can we trust them?
I see what I see - but pictures can be delusive.

However, I see Anna, a woman who is digging dugouts:
»From the very first we knew that no one will come helping us, even not the Snake.«

I keep wondering - what does the Snake want from my Star?
And can the Star trust the Snake?
It reminds me of Kaa, the snake that hypnotize Mogli -
Does the Snake try to hypnotize my Star?
I`m listening what the Snake is lisping:
»I wanna get money, I wanna get weapon!«

Astonishing - a week ago the Snake has shown its weapon to the world.
Absolutely incomprehensible for me - the Snake could send its weapon to Anna,
a woman who is digging dugouts preparing for the fight against the Bear.

It seems as if almost the whole world is waiting.
The Snake keeps waiting for help from the Star.
The Star keeps waiting for what the Bear is doing.
The Bear keeps waiting for the right moments with intention to use the chaos efficiently.
And I keep wondering for what is going on there and why my Star keeps waiting.
And Anna? Anna is the only one who is active, in digging dugouts to get ready for the fight.

»From the very first we knew that no one will come helping us, even not the Snake.«


Spaziergang zu Ostern

Von Groll und Donner ist befreit die Fläche
Durch des Friedens ermunternden Blick.
Es keimt im Tale wieder Hoffnung, wieder Glück.
So endlich, der Krieg in seiner Schwäche
Ist geschlagen und floh in die Berge zurück.

Von dort her zeigt er sich, versteckend nur,
Als ohnmächtiges Brennen aufflackernder Kerzen -
Vereinzelt, kleine Nester in weiter Flur.
Aber der Frieden, der duldet keine Schmerzen -
Im Tale regt sich wieder das Leben,
Denn der Frieden nahm dem Tod sein Leben.

Doch fehlt es an Farbe, es fehlt hier und es fehlt dort,
Denn viele Menschen bleiben, bleiben für immer fort.

Wende, so endlich deinen Blick von diesem Berge,
Schaue zum Tale, aber auch stets in die weite Ferne!

Aus Löchern, aus Gräben kriechen sie hervor -
Die Menschen zum wärmenden Sonnenlicht empor.
Der helle Schein der Sonne strahlt von fern
Am Tage der Auferstehung des Herrn.
Aber sie sind selber auferstanden
Aus Asche, Schutt und Trümmern.
Sie sind selber auferstanden
Aus der Hölle. Aber für immer?

Sieh nur, sieh! Es blendet wie das Glitzern der Meere,
Wenn das Sonnenlicht auf ruhiges Wasser trifft.
Sieh nur, sieh! Es fallen die Gewehre,
Wenn das Tier im Menschen seine Furcht wegwirft.

Und, Hand in Hand bis zum letzten Mann
Stehen sie zusammen, schreiten sie voran.
Selbst von des Berges Höhen kommen sie heran,
Denn sie gehörten zueinander von jeher an.

Ich höre leises, noch verängstigtes Lachen -
Sie fragen sich: Was sollen wir jetzt machen?
Ausgebrannt, doch erleichtert sind Groß und Klein -
Sie sagen sich: Jetzt bin ich wieder Mensch, jetzt werde ich wieder sein!



Revenge

Sun is shining and sky is blue.
How this loveliness is laughing, is laughing about me and about you!

They killed my family, killed everyone, killed brothers, sisters, parents, aunts, uncles, grandparents, everyone.
They tracked me into the forest, tracked me, hounded me, hounded everyone.

Some of us could escape, escape, but for what prize?
Some of us hide, hide like animals, hide in the forest.

Waiting, waiting for what? That they catch us, rape us, kill us?
Waiting, waiting for what? For dying? For living? For Gods helping hand?

Shouldn`t I fight against them? Trace them, kill them?
Shouldn`t I take revenge on them? Trace them, kill them?

How shall I live? Live in doing nothing, doing nothing as waiting?
How shall I live? Not rather dying as a fighter than dying of hunger, of disease?

Don`t I deserve justice? Yes, I do.
Don`t I deserve revenge? Yes, I do.
But as a child, what can I do?
Become like them? Kill like them? Get an animal like them?

No, I can`t fight and I don`t want to fight.
But I can try to live, I can try to survive.
Yes, this is what they try to avoid.
And yes, this is my REVENGE.



Von ausgezehrten Kindern

Von ausgezehrten Kindern in der zerstörten Stadt
Es kommt mir vor, als sei es täglich Nacht
Kein Licht am Horizont zeigt einem den Weg
Raus aus dem Krieg, den keiner versteht

Von ausgezehrten Kindern in der zerstörten Stadt
Mich verfolgen, mich begleiten, Tag und Nacht
Für sie scheint es, gibt es nur den einen Weg
Sie bleiben im Krieg, den keiner versteht

Von ausgezehrten Kindern in der zerstörten Stadt
Haben keine Freiheit, nicht bei Tag und nicht bei Nacht
Nach links, nach rechts, geradeaus, führt kein Weg
Verschanzen sich, verstecken sich, im Krieg, den keiner versteht

Von ausgezehrten Kindern in der zerstörten Stadt
Gejagt, beschossen, ausgebombt, in der schwarzen Nacht
Und selbst am Tage gibt es keinen Weg
Raus aus der Stadt und raus aus dem Krieg, den keiner versteht

Von ausgezehrten Kindern in der zerstörten Stadt
Haben sich arrangiert, ganz und gar, bei Tag und auch bei Nacht
Suchen Essen, suchen Trinken und manchmal finden sie einen Weg
Zu überleben, zu weiterleben und zu bleiben, in diesem Krieg, den keiner versteht

Von ausgezehrten Kindern in der zerstörten Stadt
Suchen sich, finden sich im Unterschlupf und sind zusammen in der Nacht
Am Tage dann kreuzen sie, wie vielen anderen, meinen Weg
Sind freundlich, lachen sogar, halten dich fest, in diesem Krieg, den keiner versteht

Von ausgezehrten Kindern in der zerstörten Stadt
Bunkern meine Schokolade, mein Obst, mein Brot, in der Nacht
Hoffen auf ein Frühstück am nächsten Morgen und hoffen auf einen Weg
Raus aus dem Krieg und raus aus diesem Leben, das keiner versteht

Von ausgezehrten Kindern in der zerstörten Stadt
Mit großen Augen, eingefallenen Gesichtern träume ich jede Nacht
Fand ihn nicht und suche ich noch immer, meinen Weg
Raus aus dem Krieg und hinein in mein Leben, das ich nicht mehr versteh

Von ausgezehrten Kindern in der zerstörten Stadt
Schwirren Zukunftsängste in meinem Kopf, bei Tag und auch bei Nacht
Grübele, frage mich, werden sie finden ihren Weg?
Raus aus dem Krieg und hinein in ein Leben, wie soll man das verstehen?


Unverkäufliche Gedichte von Doreen Gehrke. Die Verwendung dieser Gedichte, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung von Doreen Gehrke urheberrechtswidrig. Auch eine Übersetzung der Gedichte sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.