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Anjas Tagebuch - Neverland

Anjas Tagebuch - Neverland, E-Book, 12+
EPub 978-3-9816906-7-5
Kindle 978-3-9816906-8-2


Cover

Für den zweiten Band wollte ich das Cover wieder selbst illustrieren. Dieses Mal habe ich aber nicht auf eine genauere Gestaltung der Umgebung verzichtet. Es ist neben der teils fiktiven Skyline von Berlin die Dachterrasse der neuen Wohnung zu sehen. An deren Brüstung rankt aus einem kleinen Topf der hintersten Ecke die Pflanze, die wie im Cover des ersten Buches vermitteln soll, dass sich die Protagonistin Anja in ihrer ganz eigenen Welt befindet. Weitestgehend habe ich mich vom Stil des Scherenschnitts entfernt. Die Illustration ist in Grautönen abgestimmt. Allein Anjas Silhouette und die der Vögel sind blau umrandet. Wieder überlasse ich dem Leser, wie der Teenager in der eigenen Fantasie aussieht.



Einführung

»Anjas Tagebuch – Neverland« ist der Folgeband zu »Anjas Tagebuch«. Anders als im ersten Band setzt sich die Protagonistin nicht mehr nur mit dem Einfluss der digitalen Welt auf unser Leben auseinander, sondern beginnt, sich immer mehr selbst zu reflektieren, hinterfragt ihren Platz in der Gesellschaft und versucht, Zusammenhänge zwischenmenschlicher Beziehungen zu verstehen – sei es die zu ihren Eltern und anderen Verwandten, oder zu Freunden und Lehrern. Besonders die Stille in Neverland hilft Anja, ihre Gedanken zu sortieren und ihr Verhalten in der Schule und Zuhause zu verstehen. Oma Ritas Anekdoten und Weisheiten über das Leben tragen ihr Übriges dazu bei, sodass die Ostertage zu den Philosophischen Tagen in Neverland werden. Das Ferienhaus, irgendwo in der Uckermark, ist Anjas liebster Ort zum Nachdenken und zum Schreiben. Dort kann sie abschalten und ganz in ihre eigene Welt abtauchen.



Leseprobe

Leseprobe aus Kapitel 10 - Mittwoch, 12.04.2017

Mein liebes Tagebuch ...

ich habe einen Kater. Zumindest glaube ich das, denn ich hatte ja eigentlich noch nie einen. Aber bei Kopfschmerzen und kotzigem Geschmack im Mund ... ja, ich glaube, das ist einer. Und das auch noch ausgerechnet von Punsch – kein Bier, kein Wodka, keine Cocktails. Nein, nur Oma Ritas Punsch, und der hat mich umgehauen. Oh Mann, ich bin erst 14 Jahre alt ... Okay, es gibt Idioten in meinem Alter, die ernähren sich praktisch von Sex, Drugs & Rock‘n Roll. Selbst wenn das romantisch klingt, ist das für einen Teenager einfach nur sch***. Das darf niemand erfahren. Verstanden?! Ab sofort bleibst du unter Sicherheitsverwahrung. Niemand darf dich jemals lesen. Wer weiß, was ich dir noch alles anvertrauen werde?!
Heute ist der vierte Tag in Neverland, und es ist Mittwoch. Klingt, als ob ich die Tage zählen würde, aber das tue ich nicht. Ich lese mir immer nur die aktuellsten Einträge durch und sehe dann automatisch, wie viele Tage wir schon hier sind.
Habe mal ausgeschlafen – ha, ha, ich lach mich tot. Keine Alf-Witze, versprochen. Papis Jugendheld bleibt unter Verschluss. Aber Frühstück fiel aus und weil Oma Rita die zugegeben gesunde Idee hat, mit mir an die frische Luft zu gehen, machen wir eine Spritztour. Yeah, Oma und Enkel cruisen durch die Gegend!

Bin wieder da und völlig erschöpft. Zuerst sind wir tatsächlich nur so rumgefahren, was ganz in Ordnung gewesen wäre, hätte ich nicht das Kotzen gekriegt. Also, es war so. Ich stellte mir den Sitz, Beifahrerseite natürlich, so ein, dass ich halbwegs liegen konnte und schaute dabei zur Frontscheibe und beobachtete den Scheibenwischer, wie er sich taktvoll hin und her bewegte. Der Regen prasselte aufs Auto, manchmal so stark, dass sich zwischen dem Wischen immer ein Wasserfilm auf die Scheibe absetzen konnte, bis er zur Seite gewischt wurde. Das fand ich anfangs noch ganz witzig, solange bis wir die Alleen entlangfuhren, die zu meinem neuen Lieblingsdorf führt. Oma Rita wollte dort wieder zu Mittag essen, und ich stellte mir schon vor, wie ich als Heranwachsende mit einem Teller Milchreis kämpfe und dann passierte es. Ich bat Oma Rita anzuhalten. Mir kam es vor, als würden die Baumkronen auf mich zurasen, meine Augen taten auf einmal weh und mein Magen krümmte sich zusammen. Ich habe noch gerade rechtzeitig die Tür aufmachen können, sonst hätte ich mich in Oma Ritas Wagen übergeben. Sie hat sich ziemliche Sorgen gemacht, wollte mich schon zu einem Arzt fahren oder am besten gleich ins nächste Krankenhaus – wo auch immer eins hier im Niemandsland ist. Ich bat Oma Rita das nicht zu tun, denn meine Eltern hätten davon erfahren und das wäre dann auf sie zurückgefallen, schließlich hat sie einer Minderjährigen Alkohol gegeben, selbst wenn es die eigene Enkelin war. Da lachte Oma Rita – so aus tiefstem Herzen, im Wind und bei peitschenden Regen, weit und breit war kein anderes Auto zu sehen. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, war das doch ganz witzig.
Jedenfalls sind wir dann weitergefahren, und zwar zur nächsten Tankstelle. Oma Rita musste sowieso tanken, und weil diese Supertanke über einen für ein Dorf ziemlich großen Shop verfügt, brachte sie gleich Kamillentee, Kekse und sogar Zwieback mit. Tea to Go gibt`s mittlerweile auch überall. Coole Idee!
Wir fuhren so weiter durch die Gegend. Der Regen machte mal eine Pause und Oma Rita machte das Verdeck einen Spalt auf, damit ich frische Luft bekam. Und als wir so fuhren, begann sie auf einmal zu reden und schien erst mal nicht mehr damit aufhören zu wollen. Das war mir ganz recht. So konnte ich abschalten und mit meinem Tee meinem Magen etwas Gutes tun. Oma Rita erzählte, dass man heutzutage alles kaufen könne. Aber auch wirklich einfach alles! Was an sich nicht schlecht sei, denn früher hätte sie sich in manchen Situationen gewünscht, es hätte die eine oder andere Sache gegeben, die einem das Leben erleichtert hätte. Ich verstand zuerst nicht, woröber Oma Rita sprach. Bis sie meinte, wir gäben unser Gehirn ab oder schalten es vielmehr aus. Man müsse nichts mehr alleine machen. Man könnte schon, aber die Lust dazu sei nicht mehr da. Zum Beispiel bei Kindergeburtstagen. Heutzutage gibt es ja Animateure, die die Kinder bespaßen. Früher hätten sich die Eltern noch etwas einfallen lassen müssen. Aber so bezahlt man einen Service. Wenn man dann mit der erbrachten Leistung nicht zufrieden ist, kann man den Animateur runtermachen. So hat es eine Freundin Oma Rita erzählt, die beim Kindergeburtstag einer ihrer vielen Enkelkinder eingeladen war und deren Tochter einen bestellten Bespaßer zur Sau gemacht hat, weil die Kinder wohl nicht ausreichend Spaß hatten. Da hätte sich die Freundin für ihr eigen Fleisch und Blut geschämt. ...

Unverkäufliche Leseprobe des Doreen Gehrke Verlags. Die Verwendung dieser Leseprobe, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung des Doreen Gehrke Verlags urheberrechtswidrig. Auch eine Übersetzung der Leseprobe sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.



Back Cover

Die Illustration für das Back Cover habe ich wie das Cover in Grautönen gestaltet. Es ist Anjas liebster Ort dargestellt – Neverland. Allein die Fenster des Ferienhauses sind farbig in Gelb gehalten. Auf einer Bank am Kopf des Anlegestegs steht wieder der kleine Pflanztopf. Hier umrahmt die Pflanze den ganzen Ort Neverland und symbolisiert die Abgeschiedenheit und Ruhe, die Anja dort so liebt.