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Anjas Tagebuch

Anjas Tagebuch, E-Book, 12+
EPub 978-3-9815945-9-1
Kindle 978-3-9816906-6-8


Cover

Erstmals habe ich selbst ein Cover illustriert. Zu sehen ist die 14-jährige Protagonistin Anja, wie sie an ihrem Schreibtisch sitzt und aus dem Fenster schaut. Vor ihr liegt ein aufgeschlagenes Heft – Anjas Tagebuch. Eine zum Teil fiktive Skyline der Stadt Berlin gibt Auskunft über den Handlungsort der Geschichte. Die Pflanze, die aus dem kleinen Blumentopf auf Anjas Schreibtisch um das Fenster rankt, soll vermitteln, dass sich der Teenager in seiner ganz eigenen Welt befindet. Wobei diese Welt keine Flucht ins Fantastische ist. Anja setzt sich mit ihrem Dasein in der Gegenwart auseinander, bleibt aber dabei für sich. Der Stil der Illustration erinnert an den Scherenschnitt – schwarze Silhouetten auf farbigem Hintergrund. Ich habe hier absichtlich auf detaillierte Informationen verzichtet. Dem Leser wird selbst überlassen, wie Anja aussieht und wie ihre nähere Umgebung gestaltet ist.



Einführung

»Anjas Tagebuch« ist ein Buch für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich, wie Anja, mit dem Einfluss der digitalen Welt auf unser Leben auseinandersetzen.
Die 14-jährige Protagonistin möchte für mindestens fünf Tage versuchen, ohne ihr Smartphone und ohne den Kontakten in den sozialen Netzwerken auszukommen. Solange bis sie mit ihren Eltern in den Urlaub fährt. Die Zeit bis dahin gestaltet Anja außerhalb der bequemen vier Wände und allein. Sie meidet Besuche bei Freunden oder Treffen in Shopping Malls, um gar nicht erst in Versuchung zu kommen. So unternimmt sie eine Sight-Seeing Tour durch Berlin, macht einen Ausflug zum Großen Müggelsee und besucht Museen, für die sie sich schon immer mal Zeit nehmen wollte. In diesen Tagen stellt Anja fest, dass sie in Situationen gerät oder auch zu Erkenntnissen kommt, die sie nie erfahren hätte, wenn sie mit gesenktem Kopf durch die Welt gehen würde. Ihrem Tagebuch vertraut sich Anja an und philosophiert über den Einfluss der digitalen Welt auf das Verhalten der Menschen. Zum Ende kommt Anja zu dem Ergebnis, dass für sie folgende Regel zum Gebrauch von sozialen Netzwerken gelten soll: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig!

Das Cover und Back Cover wurden von mir zum ersten Mal selbst illustriert.

Wie in jedem von mir veröffentlichtem Buch stehen soziale Themen im Fokus der Geschichte. Soziale Netzwerke spielen in unserem Alltag mittlerweile eine große Rolle. Dazu kommen Spiele-Apps oder im Allgemeinen Apps, die unser Leben erleichtern sollen. Nur stellt sich die berechtigte Frage, ob die digitale Welt tatsächlich nur eine unterstützende Funktion hat oder uns in eine Abhängigkeit führt, ohne die man nicht mehr durch den Alltag käme. Diese Frage wird in diesem Buch von der Protagonistin aufgegriffen und diskutiert.



Leseprobe

Leseprobe aus Kapitel 2 - Donnerstag, 21.07.2016

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Ob ICH dafür verantwortlich bin? Nun, ich weiß, was du meinst. Mutti stand schon immer auf meiner Seite, ganz egal worum es ging. Und ich kann mir schon vorstellen, dass meine Challenge ihr zu denken gegeben hat. Vielleicht ist Mutti auch ein bisschen stolz, dass ihr einziges Kind sich selbst hinterfragt und nicht mit dem Strom schwimmen möchte. Hier sollte ich vielleicht erwähnen, dass sich ihr Kind damit aber ziemlich schwer tut.
Mutti ließ dann auch nicht locker und griff Papi immer wieder an. Er sei ja richtig süchtig nach diesem sch*** Ding und müsse vielleicht mal über eine Therapie nachdenken. Außerdem würde ein bisschen frische Luft bei einer Fahrrad-Tour ihm bestimmt guttun. Als Papi dann gar nichts mehr erwidern konnte, ging Mutti nahtlos zum Erfahrungsschatz ihrer Freundin Kati über.
Diese eigentlich ziemlich nette Frau ist Pädagogin und erzählt Mutti regelmäßig Schauergeschichten über vernachlässigte Kinder. Papi meint dazu immer, Kati würde maßlos übertreiben und Mutti manipulieren. Heute Abend sagte er sogar, Muttis Freundin solle sich nicht wundern, wenn sie allein und kinderlos bliebe.
Das brachte das Fass zum Überlaufen, aber richtigen Streit gab es nicht. Mutti nahm Papis Smartphone vom Tisch und beide lachten. Ich fand das ziemlich peinlich und kam mir vor, als sei ICH der einzige erwachsene Mensch in der Küche. Das hatte aber zur Folge, dass Papi dann tatsächlich in den Keller ging, um nach meinem Fahrrad zu sehen.
Als ich mit Mutti alleine war, sagte sie, er wäre nicht gegangen, wenn sie ihm sein Smartphone zurückgegeben hätte. Das kann ich mir aber nicht vorstellen. Er wäre auch noch von sich aus runtergegangen. Ich glaube auch, dass er meine Challenge ernst nimmt und mich damit nur aufzieht, weil das seine Art ist, einem zu vermitteln, nicht immer alles so zwanghaft durchziehen zu wollen. Du weißt schon, immer von sich selbst alles zu hundert Prozent zu verlangen. Gnadenlos zu sein, oder zu hart zu sich selbst zu sein.
Oh Mann, jetzt muss ich schon wieder an meine Deutschlehrerin denken. Warum? Weil das angeblich keine Sprache einer 14-Jährigen ist. Wahrscheinlich müsse ich in jedem Satz, den ich sage, das Wort »Alter« mit einbauen, um glaubwürdig zu sein. Aber vielleicht meint sie das ja auch nur gut. Das würde Papi ganz sicher sagen.
Jetzt muss ich dir noch erzählen, welche Informationen Mutti von Kati bekommen hat. Und anders als Papi kann ich mir schon vorstellen, dass das alles möglich und überhaupt nicht übertrieben ist. So soll es Schüler geben, die eine Sucht nach Video-Spielen entwickeln. Dadurch kommen sie in der Schule nicht mehr mit und haben dann Schwierigkeiten, das Abitur zu schaffen. Sehr gute Schüler, die sich durch so einen Sch*** vielleicht ihr ganzes Leben versauen. Das ist ziemlich schlimm. Mit den sozialen Netzwerken kann ich mir das auch vorstellen. Anstatt zu lernen, investieren Schüler (oder auch Studenten und Auszubildende) ihre Freizeit mit dem Posten von Nachrichten und Posts zu lesen. Oder eben auf dem Smartphone Spiele zu spielen, wie zum Beispiel Pokémon Go. Das ist ja im Moment der Renner. Sogar kleine Kinder sollen ruhelaus zu Hause hin- und hertigern, bis sie endlich mit Mamis oder Papis Tablet spielen können. Der Effekt von Lernspielen scheint also doch nicht so gut zu sein, zumindest nicht wie erhofft.
Als Papi dann Minuten später aus dem Keller kam, sagte er etwas, was Mutti und mich zum Lachen brachte. Papi wollte doch tatsächlich sein Smartphone haben, weil er im Internet recherchieren wolle, wie man Fahrradschläuche flicken kann. Es war ganz klar ein Scherz. Papi hatte noch nie Probleme gehabt, unsere Räder einsatzfähig zu machen.
Sicher ist ein »griffbereiter« Zugang zum Internet manchmal sehr hilfreich, wenn man so schnell wie möglich an Informationen gelangen möchte, wie zum Beispiel das Straßennetz einer Stadt, in der man sich nicht auskennt. Aber selbst für die kleinsten Kleinigkeiten eine App? Nein, ich finde das übertrieben.
Du solltest jetzt mal die Geräusche hören, die aus der Wohnung über uns nach unten schallen. Selbst die Mieter unter uns nehmen den Krach der Höhlenmenschen war. Morgen Früh wird Papi »190 Tage« rufen. Und auch ich habe schon längst angefangen, mir vorzustellen, wie es in der neuen Wohnung sein wird. Mal richtig ausschlafen, in Ruhe ein Buch lesen – in Ruhe ein Tagebuch schreiben!
Als ich dann zu Bett gehen wollte, sagte Papi noch was ganz Tolles. Ja, genau, irgendwie hat ihn heute die Muse geküsst. Vielleicht war es auch nur Mutti – ha, ha. Jedenfalls meinte er, ich solle mich nie von dem Verhalten anderer in meinem eigenen beeinflussen lassen. Nicht von den Höhlenmenschen, nicht von den Frauen vom »Bäcker um die Ecke« oder von den Smartphone-Junkies, die gegen Straßenschilder laufen oder über ihre eigenen Beine stolpern. Solange man mit sich selbst im Reinen sei, könne einem nichts anhaben oder wehtun. Selbst wenn man Fehler mache. Wenn es die eigenen seien, unbeeinflusst von außen, könne man mit dem dann verursachten Problem einfach besser umgehen.
In diesem Sinne wünsche ich dir eine ruhige Nacht. Bis morgen, Anja.
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Unverkäufliche Leseprobe des Doreen Gehrke Verlags. Die Verwendung dieser Leseprobe, ob nun auszugsweise oder in vollem Umfang, ist ohne schriftlicher Zustimmung des Doreen Gehrke Verlags urheberrechtswidrig. Auch eine Übersetzung der Leseprobe sowie die Verwendung in elektronischen Systemen ist strafbar.



Back Cover

Print-Exemplare haben neben einem Cover auch eine Abbildung auf der Buchrückseite – das Back Cover. Bei E-Books sollte diese Illustration nicht fehlen und ist in »Anjas Tagebuch« als Back Cover abrufbar. Ich habe die Abbildung im gleichen Stil wie das Cover erstellt – schwarze Silhouetten auf farbigem Hintergrund. Die Pflanze umrahmt hier sogar die gesamte Bildfläche. Symbolisch wird dabei Anjas unmittelbare Umgebung von ihr ganz ausgeschlossen. Die Szenerie erinnert an eine Situation, die im Text beschrieben ist. An einem Ferientag macht Anja mit ihrem Fahrrad einen Ausflug. Sie legt in einem Park eine Pause ein und wird dort mit dem konfrontiert, was sie in ihrer Challenge meidet – das Smartphone als ständiger Begleiter und Bestimmer im Tagesgeschehen. Alles scheint wichtiger zu sein, als sich mit dem auseinander zu setzen, was einem am nächsten ist – die eigenen Gedanken.